"banner top"

«25 Jahre E-Learning» an der BFH

Download

Seit mehr als 15 Jahren werden an der Berner Fachhochschule E-Learning-Werkzeuge eingesetzt. Zeit für eine Rückblende und Gelegenheit für einen Ausblick nach vorn, auf die kommenden 10 Jahre — somit die Betrachtung einer Zeitspanne von 25 Jahren.

Die BWL-Prüfung erfolgt online auf der Plattform Moodle.

An Schweizer Hochschulen stand zu Beginn dieses Jahrtausends mit der Initiative «Swiss Virtual Campus» das elektronische Erstellen und Durchführen von E-Learning-Kursen im Vordergrund. In grossen, nationalen Projekten entstanden neue digitale Lehrmaterialien, wurden neuartige Lehrveranstaltungen konzipiert und durchgeführt.
Rasch folgte auch beim E-Learning der Praxisschock: Gross waren die technischen Herausforderungen bei der Erstellung und Wartung der komplexen multimedialen Inhalte, auch erwies sich die Verwendung kommerzieller Plattformen als gewichtiger Kostentreiber. Der Zugang zu den elektronischen Lerninhalten gestaltete sich zudem in Präsenzveranstaltungen infolge noch fehlender Geräte und Netzwerkdienste schwierig. Die digitale Welt war trotz teuren E-Learning-Förderprogrammen noch nicht fühlbar im Studienbetrieb angekommen, in der Lehre keine Alltagsrealität.

Rasante Entwicklung auf technischer Ebene
Heutzutage können Studierende mit dem Einsatz von Laptops, der flächendeckenden Verfügbarkeit von Kommunikationstechnologien und von Cloud-Diensten viele Aktivitäten im Studium auf einfache Weise in das berufliche oder private Umfeld integrieren, sei es an der BFH, beim Pendeln oder zu Hause. Zudem haben sich spezialisierte Plattformen für die Lehre verbreitet, die meist in Kooperationen und in Form offener Software entstanden sind. So setzt die Mehrheit der Schweizer Fachhochschulen — darunter auch die BFH — im Unterrichtsbetrieb auf die Open- Source-Plattform Moodle. Moodle manifestiert sich dabei nicht nur als Webplattform, sondern ist als Smartphone-App auch auf kleinsten Geräten zu finden, die sehr schnell zur Hand sind und auch im Präsenzunterricht für einfache Interaktionen durchaus genügen können.

Externe Trends: datenbasierte Lernsettings, Gamification

Immer häufiger greifen Studierende und Dozierende auch zu externen E-Learning-Angeboten wie Massive Open Online Courses (MOOCs), um rasch punktuelle Kompetenzen in spezialisierten Bereichen aufzubauen. Aus dem MOOC-Umfeld bekannte Elemente wie datenbasierte Lernsettings zeigen dabei auf, in welche Richtung sich E-Learning-Angebote an Hochschulen entwickeln können. Auch in der BFH muss es ein Anliegen sein, die Anzahl der Drop-outs — der Studierenden, die ihr Studium aufgeben — zu minimieren; Hilfsmittel dazu sind Selbsttests zur Standortbestimmung für Studierende, Warnungen bei Überschreiten von Terminen oder automatisch empfohlene Hilfestellungen. Mithilfe der Moodle-Funktion «Abschlussverfolgung» können Dozierende dabei die Nutzung von Lernaktivitäten und Lernleistungen überprüfen, können Studierende laufend ihren Fortschritt verfolgen. Für Selbsttests bieten sich entsprechend aufgebaute Test- Aktivitäten in Moodle an.

 

Kaltura — die neue Videoplattform der BFH

In den kommenden Wochen beginnen die Schulungen für die neue Videoumgebung der BFH: «Kaltura». Die Umgebung wird nahtlos in Moodle integriert und erlaubt es, mit einem einzigen Login Videos zu publizieren sowie neue Lernaktivitäten in Moodle anzulegen. Bereits im Herbstsemester 2017 ist die Umgebung für die Produktion und Verwendung von Videos im Unterrichtsbetrieb für Dozierende und Studierende bereit. Mögliche Anwendungen von Kaltura sind z. B. die Aufzeichnung von kurzen Videosequenzen oder ganzen Vorlesungen, Videofeedbacks in Diskussionen oder kurze Lernvideos mit integrierten, interaktiven Quiz.

Prüfungen fordern nicht nur die geprüften Studierenden, sondern auch die Dozierenden und die Infrastruktur einer Hochschule stark. Dozierende sind aufgefordert, herausfordernde, praxisgerechte, aber auch lösbare Aufgaben zu stellen, nach erfolgter Prüfung Ergebnisse fair und mit vertretbarem Aufwand zu ermitteln und dann zu kommunizieren. Plattformen wie Moodle unterstützen viele dieser Schritte, garantieren insbesondere die Lesbarkeit von Antworten und ermöglichen eine rasche und transparente Korrektur.
Ein weiteres, auch für die Hochschulbildung relevantes Hilfsmittel sind die aus der Computerspielszene bekannten Auszeichnungen, die bei Erreichen bestimmter Ziele durch eine E-Learning-Plattform automatisiert vergeben werden können. Ein wohldosierter Einsatz von Auszeichnungen kann die Sichtbarkeit von Studierenden erhöhen, die Kommunikation verbessern, oft Glücksmomente bei Lernerfolgen auslösen. Die Vergabe von Auszeichnungen ist eine Grundfunktion in Moodle und bereitet Dozierenden nach einer einmaligen Konfiguration keinerlei Zusatzaufwand.

Mit einer Abstimmung auf dem Smartphone nehmen die Studierenden interaktiv an der Vorlesung teil.

Ausblick
Wie geht es weiter, wie wird die Mediennutzung an der BFH in zehn Jahren aussehen? Welche Plattformpolitik im Bereich E-Learning soll eine Hochschule einschlagen? In welche Richtung sollen Dozierende ihre Angebote weiterentwickeln?

Ein Ende des Trends zu noch grösserer Vernetzung, neuen Geräten und Applikationen ist derzeit nicht abzusehen, zu gross ist der Einfluss einer zunehmend digitalisierten Lebenswelt. Webplattformen wie Moodle sowie eine wachsende Zahl integrierter, medienspezifischer Werkzeuge wie die Videoplattform Kaltura oder Office-Lösungen in der Cloud ermöglichen auch in Zukunft ein zeitgemässes, flexibles Arbeiten auf verschiedensten Geräten; ein Wegfall einer eigenen E-Learning-Plattform dagegen ist derzeit aus datenschutzrechtlichen Gründen undenkbar. Wie das Beispiel der seit 2005 an der BFH immer breiter eingesetzten Lösung Moodle zeigt, zahlen sich Investitionen in Konzepte und Lehrmaterialien über Jahre aus.
Sicherlich werden nebst Laptops vermehrt auch Smartphones, Tablets und weitere Geräte in Lehrszenarien erscheinen, zur Kommunikation und zum mobilen Arbeiten. Das ständige Mehr an technischen Lösungen, digitalen Formaten und Kommunikationswegen stellt die eigentliche Herausforderung dar — eine Herausforderung aber, die wir im technisch und didaktisch interessierten Umfeld an der BFH gerne annehmen!