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Was sind die grossen derzeitigen Trends in der Hochschulbildung?

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Seit ungefähr 30 Jahren ist ein greifbarer Paradigmenwechsel in der Hochschulbildung zu beobachten. Aufgaben, Zielgruppen oder Arbeitsweise der Institutionen, alles hat sich beträchtlich verändert. Das wirkt sich auf Lehre und Lernen aus.

Lernorientierter Unterricht
Früher hat man Bildung als einen Akt der «Wissenstransmission» betrachtet, unidirektional von der Lehrerin, dem Lehrer zu den Studierenden. Studien in Lernpsychologie beweisen jedoch ausdrücklich, dass Lernen kein simples Resultat einer Aufnahme von Wissen ist, das durch eine Lehrerin, einen Lehrer vorgetragen wird. Jede Person konstruiert ihr Wissen unterschiedlich. Lernen versteht sich so eher als Aneignungsprozess. In diesem stellen die Studierenden das, was sie erfasst haben, ihrer persönlichen praktischen Erfahrung gegenüber. Sowie, durch Austausch und Diskussion, dem, was ihre Kollegen verstanden haben. Folglich bezieht ein Unterricht, der darauf zielt, dass die Studierenden Fähigkeiten auf «hohem Niveau» entwickeln, Momente in den Kurs mit ein, in denen die Studierenden die präsentierten Informationen nutzen und sich aneignen können. Das erlaubt es den Lehrpersonen auch, Nachweise darüber zu erhalten, was die Studierenden gelernt haben.

Die Internationalisierung von Ausbildungsprogrammen erfordert Offenheit.

Die Entwicklung von transversalen und generischen Fähigkeiten (soft skills)
In der Literatur zur Hochschulbildung spricht man von dem Unterschied zwischen einer spezifischen Fachkompetenz und einer nicht spezifisch auf das Fach ausgerichteten Kompetenz. Beispielsweise wäre die Fähigkeit, ein elektrotechnisches Problem mit Hilfe von mathematischen Tools zu lösen, eine spezifische Kompetenz im Fachbereich Elektrotechnik. Dem gegenüber wäre die Fähigkeit, eine mündliche Präsentation zu einem Projekt der Elektrotechnik zu halten, vielmehr eine generische oder transversale Kompetenz, denn die Fähigkeit zur mündlichen Präsentation findet sich in verschiedenen Hochschulfächern wieder. Es handelt sich also um eine Kompetenz, die ausserhalb des Kontextes, in dem sie erlangt wurde, verwendet werden kann (z. B. heute: eine mündliche Präsentation zu Elektrotechnik; morgen: eine mündliche Präsentation über die Strategie zur fachlichen Weiterentwicklung der Mitglieder einer Arbeitsgruppe). Um diese transversalen oder generischen Kompetenzen zu vermitteln, müssen sie zunächst identifiziert und anschliessend Lehr- und Lernaktivitäten entwickelt werden, die auf diese Kompetenzen ausgerichtet sind.

Arbeitsmarktfähigkeit aufgrund von Ausbildungsprogramm
In der Hochschulbildung spricht man vermehrt von der «Arbeitsmarktfähigkeit» von Ausbildungen. Das heisst, von ihrer Fähigkeit, die Studierenden auf den Übergang in die Arbeitswelt, auf die sozio-berufliche Eingliederung, vorzubereiten. Die Arbeitsmarktfähigkeit einer Ausbildung mitzudenken bedeutet aber nicht notwendigerweise, dass eine Ausbildung einzig auf eine Stelle in einem bestimmten Berufsbereich vorbereitet. Die Arbeitsmarkfähigkeit bezieht sich vielmehr auf die Fähigkeit einer Studentin oder eines Studenten eine Stelle zu finden, die mit dem eigenen Studium in Zusammenhang steht. In einigen Fällen ist der Zusammenhang unmittelbar (z. B. Absolventinnen und Absolventen einer Hotelfachschule, die sich im Team eines Grand Hotels wiederfinden). In anderen Fällen ist die Verbindung weniger direkt (z. B. die Absolventinnen und Absolventen in Design, die sich eine Stelle in einer Werbeagentur ergattern und indirekt zu Designfragen arbeiten). Damit die Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen «arbeitsmarktfähig» sind, müssen sie ihre in der Ausbildung entwickelten Fähigkeiten im Rahmen ihrer neuen Stelle abrufen. Und die Arbeitsmarktfähigkeit der Ausbildungsprogramme hängt zum einen vom Nachweis der während der Ausbildung entwickelten Kompetenzen und andererseits von der Evaluation der Lehre, die sich bestmöglich den potentiellen zukünftigen Arbeitssituationen der Studierenden annähert, ab.

 

Denis Berthiaume

Um diese transversalen oder generischen Kompetenzen zu vermitteln, müssen sie zunächst identifiziert und anschliessend Lehr- und Lernaktivitäten entwickelt werden, die auf diese Kompetenzen ausgerichtet sind.

Internationalisierung der Ausbildungsprogramme
Immer häufiger absolvieren Studierende einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland und immer häufiger entwickeln sich auch Lehrerinnen und Lehrer ausserhalb ihres Heimatlandes weiter. Und auch wenn Studierende oder Lehrende in ihrem Heimatland bleiben, sind sie dennoch mit einer wachsenden Zahl Menschen aus dem Ausland konfrontiert. Diese bringen neue Ideen sowie eine andere Vorgehensart mit, als dies oftmals innerhalb des Schweizer Hochschulbildungssystems vorgesehen ist. Die Internationalisierung der Ausbildungsprogramme impliziert also eine Öffnung nach aussen in Bezug auf Lehre und Lernen.

Lebenslanges Lernen
Es ist für Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen üblich geworden, während ihrer Karriere wieder an eine Hochschule zurückzukehren, um das fachliche Niveau zu halten oder beruflich weiterzukommen. Auch Arbeitgeber wenden sich an Hochschulen, um die fachliche Weiterentwicklung ihrer Mitarbeitenden voranzutreiben. Weiterbildungsangebote sind zu regelrechten beruflichen Sprungbrettern geworden. So wird sich beispielsweise eine Elektrotechnikabsolventin, ein Elektrotechnikabsolvent weiterbilden, um die Karriereleiter im Unternehmen zu erklimmen, in dem sie oder er nach dem Studium zu arbeiten begonnen hat. Zuerst in der Teamführung, dann in der Organisationsentwicklung oder in der strategischen Planung.

Fazit
Die fünf hier vorgestellten, grossen Trends erfordern einen unterschiedlichen Ansatz für das Lehren und Lernen. Das bedeutet nicht notwendigerweise, zu ändern, was aktuell getan wird. Vielmehr gilt es, diese grossen Trends bei der Entwicklung einer strategischen Vision hinsichtlich der Qualität der Lehre und der Weiterbildung zu berücksichtigen.

Die Fähigkeit zur mündlichen Präsentation findet sich in verschiedenen Hochschulfächern wieder.