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Ein «Digital Ecosystem» für Innovationen in der Sporttech-Industrie

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Die Swiss Association of Computer Science in Sport (SACSS) will die Innovation in der Schweizer Sporttech-Industrie fördern. Deshalb fänden Vertreter aus Sport, Wissenschaft und Industrie zum ersten Symposium der SACSS am 25. Oktober 2018 in Biel zusammen, erklärt Martin Rumo.

spirit biel/bienne: Die Digitalisierung hält heute überall Einzug. Auch im Sport?
Martin Rumo: Die Sportwelt befindet sich, was den Einsatz neuer Technologien anbelangt, in einer eigent­lichen Umbruchphase. Die Sporttech-­Industrie wurde im PwC Survey on Sport 2017 gar als die disruptivste aller Branchen bezeichnet. Die Digitalisierung gilt da­ bei als der eigentliche Treiber dieses radikalen Wan­dels.
So hat beispielsweise diesen Sommer in Kanada das E-­Sport-­Turnier Dota 2 stattgefunden. Das Preisgeld lag bei 25 Mio. USD. Das ist durchaus vergleichbar mit den grossen Turnieren traditioneller Sportarten.
Zudem schiessen Produkte zum Messen, Analysie­ren und Visualisieren von Sportdaten wie Pilze aus dem Boden. Der Wintergreen Report on Sport Analytics pro­gnostiziert dem Sport­-Analytics-­Markt ein Wachstum von 764,3 Millionen USD im Jahr 2016 auf 15,5 Milliar­den USD im Jahr 2023. 

Das Messen von Leistungsfaktoren in Wettkampf und Training gehört für die Sportler immer mehr zum Alltag.

Sind für Sporttech-Firmen also goldene Zeiten angebrochen?
Nicht ganz. Trotz diesem Boom ist es für einzelne Firmen schwierig, auf diesem Markt rentabel zu werden oder schlicht zu überleben. Zwar wächst der Sport­markt, bleibt aber trotzdem eine Ansammlung von Ni­schen. Jede Sportart stellt unterschiedliche, oft sehr spezifische Ansprüche an die Technologie. Somit ist es schwierig, Produkte zu entwickeln, die einen genügend grossen Markt erreichen können.

Welches sind die grössten Herausforderungen?
Will man eine neue Messtechnologie in einem Sport anwendbar machen, dann müssen die gemessenen Da­ten sportgerecht analysiert, für alle in der Cloud zu­gänglich und angemessen visualisiert werden. Das setzt Expertise in Messtechnologie, Algorithmik, Datenspei­cherung und ­Übertragung voraus, aber auch die Fähigkeit, intuitive Benutzeroberflächen zu entwickeln. Man muss ein vollständiges Informationssystem um diese Messtechnologie entwickeln. Das ist eine enorme Her­ausforderung für ein Start­up.

Daten müssen sportgerecht ausgewertet werden, um für Sportler wirklich gewinnbringend zu sein.

Wie sehen die Bedürfnisse der Benutzer aus?
Sportorganisationen wollen eigentlich nur ein ein­ziges Informationssystem. Wer ein neues Messsystem kauft, möchte dieses in sein bestehendes System ein­bauen und Daten kombiniert analysieren können. Heu­te sieht sich aber eine Sportorganisation gezwungen, mit jeder Messtechnologie ein vollständiges Informati­onssystem zu kaufen, meist mit einer eigenen Cloud­-Lösung. Tracking­-Daten, Videos und physiologische Daten sind im schlimmsten Fall auf unterschiedlichen Cloud­-Services gespeichert. Die Daten sind somit nur mit viel Aufwand in Kombination zu nutzen. Um dieses Problem zu lösen, müssen Sporttech-­Firmen und Spor­torganisationen miteinander in einen Dialog treten.

Welche Rolle kann das BFH-Zentrum für Technologien in Sport und Medizin spielen?
Als Brückenbauer zwischen Sport und Technologie ist das BFH­-Zentrum der ideale Ort, um Vertreter der unter­schiedlichen Interessengruppen zu vereinen. Deshalb findet das 1. Symposium der Swiss Association of Com­puter Science in Sport (SACSS) im BFH­-Zentrum statt.

Was ist die Swiss Association of Computer Science in Sport (SACSS)?
Die SACSS wurde letztes Jahr als Tochter der International Association in Computer Science in Sport (IACSS) gegründet. Die SACSS will den Austausch zwischen Sportorganisationen, Wissenschaftlern und Vertretern der Industrie fördern. Insbesondere geht es darum, konkrete Entwicklungsprojekte zu ermöglichen. Ent­sprechend setzt sich das Board der SACSS aus Vertre­tern der verschiedenen Interessengruppen zusammen. Den Vorsitz führt Eckhard Frank. Als ehemaliger CEO von SwissTiming verfügt er über ein wertvolles Netzwerk in der Industrie. Dr. Heiko Schuldt ist Infor­matikprofessor an der Universität Basel und vertritt die akademische Welt. Als stellvertretender Leiter des BFH­-Zentrums für Technologien in Sport und Medizin stehe ich im Gremium für die Interessen des Sports ein.

Welches Ziel verfolgt die SACSS konkret?
Die SACSS hat eine konkrete Vorstellung davon, wie die Schweizer Sporttech-­Industrie belebt werden kann. Um für den Sport marktfähige Produkte zu entwickeln, müssen die einzelnen Anbieter fähig sein, ihre Funktio­nalitäten als Microservices zur Verfügung zu stellen.
Diese sollen über standardisierte Schnittstellen mit an­ deren Microservices kombinierbar sein. Damit können sich die Firmen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren und erweiterte Funktionalitäten in Kooperation mit anderen Anbietern kombinieren. Für die Sportwelt wür­de das bedeuten, dass massgeschneiderte «À la carte»­-Systeme möglich und beide Seiten gewinnen würden.

Wie soll dieses Ziel erreicht werden?
Um ein solches «Digital Ecosystem» zu ermöglichen, müssen Schnittstellen standardisiert werden. Die SACSS soll hier als neutrale Instanz eine Standardisierung ermöglichen. In die Entwicklung der Standards werden Mitglieder der SACSS von Anfang an eingebunden.

Was versprachen Sie sich vom 1. Symposium?
Am Symposium sollten die Teilnehmer die SACSS näher kennenlernen. Auch hatten Vertreter der Indus­trie die Möglichkeit, ihre Kernkompetenzen vorzustel­len. Sie konnten zudem an einem Stand ihre Produkte präsentieren. Das Symposium fand am 25. Oktober 2018, also am Digital Day, statt. Die Stände waren am Nachmittag auch einem breiten Publikum zugänglich.

Besten Dank für das Gespräch.

 

Das BFH-Zentrum für Technologien in Sport und Medizin

Das BFH-Zentrum für Technologien in Sport und Medizin bietet Vertretern des Sports Zugang zu technologischem Know-how und zur Entwicklung innovativer, massgeschneiderter Lösungen. Das Zentrum vereinigt die Eidgenössische Hochschule für Sport (EHSM) und das BFH-Departement Technik und Informatik wie auch das BFH-Departement für Gesundheit. Es vereinigt somit Sportwissenschaft, Mikrotechnologie, Informatik wie auch Gesundheitswissenschaften und Rehabilitation. Zudem verfügt es durch die EHSM über enge Verbindungen zu nationalen und internationalen Sportverbänden.

Infos: bfh.ch/humantec