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Mehr Lebensqualität in Berns Osten

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Neue Lebensqualität durch den Rückbau der Autobahn im Osten von Bern: 200 Studierende des Fachbereichs Architektur der BFH loten ein neues Wohlbefinden für das durch Lärm und Abgase geprägte Stadtquartier aus.

Freie Fahrt für alle: Das Auto bestimmt nach dem Zweiten Weltkrieg das Leben der schnell wachsenden Mobilitätsgesellschaft. Rückgrat bildet das schweizweit neu geschaffene Autobahnnetz der 60er­Jahre, das nicht nur Landschaften, sondern auch Dorfstrukturen und Stadtteile trennt. Die negativen Auswirkungen auf das Lebensumfeld und die Gesundheit in den gebauten Räumen wird für die Bevölkerung erst Jahrzehnte spä­ter spür-­ und erlebbar.
Nun wird die vom Bundesamt für Strassen ASTRA geplante Verlegung der Autobahn A6 im Bereich des Berner Ostrings neue Chancen eröffnen. Die getrennten Quartiere können wieder zusammenwachsen, die Schulwege werden sicherer, und die Lärmschutzwände können teilweise abgebrochen werden. Diese Zukunftsaussichten haben die Dozierenden des Bachelor­ und des Masterstudiums Architektur für die Entwurfsateli­ers genutzt und Aufgabenstellungen erarbeitet, die ent­lang der heutigen Autobahnachse einzelne Aspekte der Revitalisierung dieses Stadtgebiets thematisieren. Bei­spielsweise entsteht im Atelier des ersten Studienjahrs ein Stadtpark, der das Zentrum Paul Klee neu an die Stadt anbindet und einen attraktiven Naherholungs­raum schafft. Einzelne Künstlerateliers säumen die Wege und laden ein, sich mit zeitgenössischem krea­tiven Schaffen auseinanderzusetzen. Die Masterstudie­renden haben den unwirtlichen Freudenbergerplatz neu angedacht. Dieser soll künftig alle angrenzenden Quartiere miteinander verbinden, die durch die Auto­bahn über Jahrzehnte getrennt waren. So entsteht eine neue Mitte und damit eine neue Identität dieses Orts.

Rückbau der Autobahn: Masterstudent Tyfun Acar lässt die alte Autobahnbrücke stehen: Darauf entstehen neue Wohnungen, darunter Begegnungszonen.

Mehr als 200 Studierende haben sich mit dem Ort und der Aufgabe auseinandergesetzt. Als junge angehende Architektinnen und Architekten haben sie einen unbelasteten Aussenblick und können so auch unkon­ventionelle Ideen und Impulse entwickeln. So bei­spielsweise der Masterstudent Tyfun Acar: Er reisst die bestehende Autobahnbrücke beim Freudenbergerplatz nicht ab, sondern integriert diese in sein Projekt. Unter­halb der Brücke entstehen für die Quartierbevölkerung vielfältige Freiräume, die auch bei Regen nutzbar sind. Auf der Brücke plant er in seinem Projekt dicht anein­andergereihte Wohnungen mit unterschiedlichen Grundrissen. Die überformte Brückenstruktur ermög­licht zugleich die Fortschreibung der Geschichte des Orts wie auch eine radikale neue Setzung mit zukunfts­gerichteten Nutzungen.
Diese und andere Ideen präsentieren und diskutieren die Studierenden und Mitarbeitenden des Fachbereichs Architektur im März 2019 anlässlich der Jahres­ausstellung im Kornhaus Bern mit Behörden und Bevölkerung. Dieser Diskurs ist wichtig. Das aktuelle Beispiel «A5-­Westast Biel» (geplante Westumfahrung mit Zentrumsanschluss Biel, Anm. der Red.) zeigt, dass Revitalisierungsmassnahmen im Zusammenhang mit Verkehrsverlagerungen in der Bevölkerung kontrovers diskutiert werden.
Wie viel Mobilität verträgt ein «gesundes» Leben in der Stadt, welche Chancen bieten sich, wenn sich Verkehrsflüsse durch neue Planungen verändern?
Der Fachbereich Architektur widmet sich in diesem Sinne jeweils im Frühlingssemester einer übergeordne­ten gesellschaftlichen Fragestellung. Und nutzt dabei das grosse Potenzial der Studierenden.