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Lebensqualität in dichten Städten – ein Widerspruch?

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Städte prägen das 21. Jahrhundert. Damit Lebensqualität und Nachhaltigkeit darin nicht verloren gehen, ist eine Stadtplanung gefragt, die Herausforderungen meistert, Ressourcen zukunftsfähig nutzt und Lösungen anstrebt. Mit Letzteren beschäftigt sich das BFH-Forschungsteam Dencity.

Die Zukunft gehört der Stadt. Nicht Länder, Städte prägen das 21. Jahrhundert. Sie sind die Treiber von Wirtschaft, Politik und Diplomatie. Die Globalisierung hat den Städten Fortschritte ermöglicht, sie birgt indes auch Herausforderungen: So hat der Trend zu Urbani­sierung und Agglomeration weltweit anhaltendes Stadtwachstum zur Folge, dies wiederum führt zu Verdichtung und steigendem Bedarf an funktionalen Räumen. Auch in der Schweiz – in der 2035 voraussichtlich 10 Millionen Leute leben werden. Dieses Wachstum spitzt den Wettbewerb um Raum sowie Lebens­- und Wohnqualität zu. Die weltweiten Herausforderungen der urbanen Entwicklung und ihre Auswirkungen stehen in engem Zusammenhang mit Gesundheit, Lebensqualität und Wohlbefinden. Damit und mit möglichen Lösungen gilt es sich auseinanderzusetzen.

Verdichten heisst nicht verzichten
Dichte ist ein Lösungsansatz. Heute sind sich die Menschen in der Schweiz das dichte Wohnen nicht gewohnt – Innenentwicklung war letztmals im Mittelalter ein Thema im Städtebau, bedingt durch die Stadtmau­ern. Verdichten aus heutiger Perspektive ist begleitet von Verzichtängsten. Letztere können ausgeräumt wer­den, wenn die Menschen erkennen, dass durch Verdichten Vorteile entstehen. Der Mensch wird sich daran gewöhnen – mit Lösungen, die einen Mehrwert für Lebensqualität generieren.
Die Erkenntnis der Notwendigkeit städtischer Ver­dichtung und deren Akzeptanz – damit verbunden die Bereitschaft, sich auf Experimente einzulassen – mün­det in alternativen oder innovativen Stadtentwicklungs­projekten: Diese reichen von der Idee autarker Mega­citys über den Entwurf des Megaprojekts «Oamsterdam» (www.hofmandujardin.nl/oamsterdam) bis zu innova­tiven Wohnformen wie Clusterwohnungen (z.B. Genos­senschaft Kalkbreite Zürich, www.kalkbreite.net).
Die Forschung sieht die Herausforderungen der Stadtentwicklung in Trends und Gegentrends. Im Fokus der Arbeit steht deshalb die Auseinandersetzung mit Spannungsfeldern.
Die Lebensqualität wird von Strukturen und Ange­boten geprägt, die in einer Stadt vorhanden sind. Gute Lebensqualität wird von jedem Einzelnen angestrebt, ihre individuelle Ausgestaltung ist jedoch unterschied­lich. Entsprechend müssen Wohn-, Lebens­- und Ar­beitsformen vielfältiger werden. Eine «gesunde Stadt» verbessert die physischen und sozialen Lebensbedin­gungen und fördert die Entfaltung gemeinschaftlicher Aktions-­ und Unterstützungsformen.
Für die Stadtplanung beziehungsweise die Heraus­forderung, urbane Ressourcen zukunftsfähig zu nut­zen, gibt es vielfältige Lösungsansätze – Teilen bezie­hungsweise Sharing ist ein solcher. Künftig wird nicht Besitz des Raums, sondern dessen Verfügbarkeit nach­gefragt. Mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, flexi­blen Raumstrukturen und einem hohen Anteil gemein­schaftlich nutzbarer Flächen. Es braucht nicht mehr Platz, sondern die Möglichkeit, ihn teilen, umnutzen oder umbauen zu können. Entsprechende Konzepte sind Co­Living, Co­Working usw.
Öffentlicher Raum ist in Städten zentral für Lebens­qualität. Der Dichte im privaten Raum muss öffentli­cher Freiraum gegenübergestellt werden. Privates wird sich wegen der (digitalisierten) Individualisierung in die Öffentlichkeit verschieben. Interaktion findet zwi­schen den Häusern statt. Damit ergibt sich die Möglichkeit, den Raum neu auszuhandeln, Lebensformen neu zu gestalten und neue Lebensqualitäten, die unserer Gesundheit langfristig zuträglich sind, vielleicht mit mehr Bescheidenheit, aber nicht Verzicht auf Individualität neu zu entdecken.