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Liebe Leserinnen und Leser

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«Wären alle Pfahlbauer zufrieden gewesen, wären wir heute noch Pfahlbauer.»

Dieser pfiffige Spruch aus der 68er-Zeit ist natürlich kein Aufruf zu einer umfassenden Unzufriedenheitskultur. Dazu haben wir – namentlich in der Schweiz – keinen Grund: Kaum jemand möchte in einer früheren Epoche leben, als etwa die Ärzte noch ohne Narkose Patienten operierten, das Baumfällen Handarbeit oder die Pferdekutsche das schnellste Verkehrsmittel waren. Auch die AHV, das Internet oder die Reisemöglichkeiten möchte wohl niemand mehr missen. Wir können also zufrieden sein mit dem, was heute ist.
Fortschritt kam immer von jenen paar Leuten, die nicht zufrieden waren mit dem, was bisher war. Unerheblich ist ihre Motivation. Die heutigen «Unzufriedenen» sind beispielsweise motiviert durch ökonomischen Druck, durch die Freude, im Wettbewerb die Nase vorn zu haben, oder durch den Wunsch, sich selbst in eine ökonomische Komfortzone zu bringen. Oder durch die Herausforderung, weltweite Grundprobleme der Menschheit zu lösen – etwa lebensbedrohende Tropenkrankheiten oder Mangelernährung.
Interessanterweise wird Innovation oft erst nach ihrer Einführung von der Gesellschaft als relevant empfunden. Umso mehr brauchen wir innovative Quer- und Vordenker, die gesellschaftliche oder technische Bedürfnisse gedanklich vorwegnehmen können. Vor der Markteinführung des PC um 1980 gab es keine einzige Marktstudie, die belegt hätte, dass der PC einst die Bürowelt – und inzwischen einiges mehr – erobern würde. Wer möchte heute schon die alte Schreibmaschine zurück?
Innovation braucht also eine Gesellschaft, die mit dem Erreichten durchaus zufrieden sein darf, die aber auch weiss, wie wichtig «unzufriedene» Innovatoren und deren Wirken für künftige Generationen sind. Nicht alles wird erfolgreich sein, aber unter dem Strich ging die Innovationsrechnung seit den Pfahlbauern mehr als auf.

Herzlichst
Fredy Sidler