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Vielfalt der Materialien – worauf Bauherren vertrauen

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Im Baubereich wächst die Vielfalt an interessanten Materialien und Produkten kontinuierlich. Und stellt damit Bauherren und Investoren vor weitreichende Entscheidungen. Welche Informationsquellen werden bei Materialentscheidungen als die hilfreichsten empfunden? Und welche Rolle spielt dabei das persönliche Umfeld? Einblick in eine aktuelle Studie im Kompetenzbereich Management und Marktforschung der BFH.

Im Fokus der BFH-Marktforschungsstudie stehen Mehrfamilienhäuser, Gewerbebauten und öffentliche Gebäude mit einem Marktvolumen von über 40 Mrd. Franken jährlich. Bauherren und Investoren entscheiden sich bei der Materialwahl in den letzten Jahren häufiger für einen Holzeinsatz bei Fassaden, Tragkonstruktionen und im Innenausbau. Bei den Mehrfamilienhäusern wird inzwischen jedes zehnte neue Gebäude in Holzbauweise geplant – rund 630 Gebäude im Jahr 2016. Fassaden ganz in oder teilweise mit Holz erhielten rund 945 neue Mehrfamilienhäuser. Damit wurde die Frage interessant, wer bei neuen Gebäuden in Holz- und Massivbauweise die Entscheidungen trifft und zu welchem Zeitpunkt im Bauprozess. Mehr als 200 Teilnehmende gaben Auskunft zu ihren Bauprojekten. Der Rücklauf der Antworten lag deutlich über den Erwartungen.
Von den hilfreichen und sehr hilfreichen Informationsquellen steht für Bauherren und Investoren die eigene Erfahrung mit einem Material an erster Stelle, gefolgt von Erfahrungen von Experten und Teams im eigenen Unternehmen (94%) und von der persönlichen Ausund Weiterbildung (92%). Der hohe Stellenwert dieser drei Informationsquellen ist gegenüber einer Vorstudie aus dem Jahr 2014 nahezu unverändert. Zusammen mit der Berufserfahrung der Teilnehmenden (83% haben mehr als zehn Jahre Erfahrung in der Baubranche) führt das dazu, dass bei jedem fünften Projekt das Material für Fassaden und Innenausbau von Anfang an feststeht.
Eine wichtige Ergänzung sind Baustellenbesuche und Projektbesichtigungen (85% der Teilnehmenden), mit denen sich die meisten Teilnehmenden regelmässig direkt vor Ort ein Bild machen und so Vertrauen vor allem auch zu neuen Produkten gewinnen. Fast genauso wichtig sind Expertise und Beratungen von Fachplanern (84%). Auch die Informationen von Herstellern und Händlern (79%) und die Erfahrung von ausführenden Handwerkern werden sehr geschätzt. Überrascht hat, dass das Interesse an Architekturplattformen im Vergleich zur Vorgängerstudie rückläufig ist. Im Jahr 2014 ordneten 46% der Teilnehmenden diese Informationsquelle als «hilfreich» ein, 2017 erreichte der Wert noch 32%. Dagegen werden Berichte in Fachzeitschriften und Fachpublikationen (61%) deutlich höher bewertet – für Fachinformationen wie Konstruktionsvarianten, neue Materialien, Kennzahlen und Lebenszykluskosten von Gebäuden.
Trotzdem denken die Teilnehmenden nicht, dass es ein Überangebot an Informationen gibt oder die Auswahl durch ein Überangebot von Informationen zunehmend schwieriger wird. Von der Studie bleibt besonders die Gesamtaussage «Vor-Ort-Besichtigungen sowie persönliche Gespräche sind bei der Auswahl von Materialien besonders wertvoll» mit der höchsten Zustimmung. Die Aussage «Die Online-Recherche ist bei der Auswahl von Baumaterialien zu einem unverzichtbaren Instrument geworden» trifft noch für 60% zu. Damit ist die Situation für Anbieter auf dem Baumarkt nicht einfach, wenn sie neue Produkte einführen und Vertrauen dazu aufbauen möchten. Denn die Aufmerksamkeit und das Vertrauen der Kunden müssen auf vielen Kanälen geweckt werden.
Die Studie wird in drei Jahren mit der gleichen Methodik wiederholt, um Veränderungen zu messen.

Das Projekt wurde realisiert mit Unterstützung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) im Rahmen des Aktionsplan Holz.

Anzahl baubewilligte Mehrfamilienhäuser für den Neubau, 2012–2016