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Mobile Kommunikation – Hype + Wirklichkeit zugleich

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Heute erwarten die modernen Menschen eine grenzenlose Kommunikationsmöglichkeit – überall, jederzeit und mit riesigen Bandbreiten. Die eingesetzten Endgeräte sind vielfältig und in der Regel multimedial.

Der «Lifestyle» vieler Menschen setzt den Besitz und Einsatz von einem oder oft sogar mehreren mobilen Telefone voraus. Dies sind die kleinen Alleskönner, mit denen auch ein Telefongespräch geführt werden kann. In der Regel kombiniert der Besitzer diese auch mit einem Tablet-PC und/oder einem mobilen PC. Lange sprach man davon, jetzt ist es Realität geworden: Jedermann kann jederzeit und überall mit einer unbegrenzten Bandbreite kommunizieren. Immer häufiger werden «Location Based Services» vorausgesetzt, und der permanente Austausch in sozialen Netzen scheint eine Lebensnotwendigkeit zu sein. Die Durchdringung der Bevölkerung mit mobilen Geräten bildet dazu die notwendige Basis. Ähnlich wie der Markterfolg des IBM PC vor 30 Jahren die Informationstechnologie revolutioniert hat und Firmen wie Intel oder Microsoft einen riesigen Erfolg bescherte, wird die unbedingte Kommunikationsmöglichkeit eine neue Aera der Informatik ermöglichen. Die Chance der unbegrenzten Kommunikation wird früher oder später zu einer völligen Umkrempelung der Geschäfts-Modelle und -Prozesse führen. Damit kommen aber gesellschaftspolitisch riesige Herausforderungen auf uns zu: Die Schere zwischen den Technik-Affinen und den Technik-Fernen (Digital Natives and Digital Immigrants) wird immer grösser. Die Veränderungen in der Gesellschaft bieten aber auch für neuartige Lösungen Chancen. Einige Beispiele können dies illustrieren:

Der Koffer für Spitex-Pflegepersonen beinhaltet medizinische Messgeräte. Zugleich handelt es sich um eine mobile Arbeitsstation mit Kamera und Videoconferencing-System Foto: Swiss eHealth Campus LU

TeleHomeCare für die Spitex

Die Spitex-Organisationen betreuen viele Patienten nach dem Spitalaustritt oder bei chronischen Erkrankungen zu Hause, und dies häufig während Jahren. Die Pflegeperson benötigt manchmal beim Patienten daheim einen Entscheid des Arztes oder eine Rücksprache mit einer spezialisierten Pflegeperson. Mit der mobilen Telekommunikation können solche zusätzlichen Fahrten von Professionals zu den Patienten durch eine telemedizinsiche Beratung ersetzt werden. Im Swiss eHEalth Campus (SeHC) in Luzern wurde eine Möglichkeit entwickelt, wie die Pflegeperson der Spitex beim Patienten vor Ort telemedizinische Leistungen nutzen kann.

Location Based Services – Basis für Smarte Lösungen

«Jedes fahrende Auto hat nur ein einziges Ziel – einen freien Parkplatz zu finden.» Diese Suche ist oftmals ebenso lästig wie das Kramen nach Kleingeld für das Parkticket und der Gang zum Kassenautomaten. Ein selbstklebender Chip an der Frontscheibe macht damit Schluss: Er ermöglicht künftig bargeldloses Parken1. Dank kostengünstigen Sensoren und einer 100% Abdeckung durch Kommunikationsdienste ist es möglich, für die Autofahrer ein realtime Parkplatzinformationssystem freizuschalten.

Damit können diese nicht nur die freien Parkplätze in einer Einstellhalle, sondern auf dem ganzen Stadtgebiet sehen und finden. Der Weg zu freien Parkplätzen wird dann auf dem Handy oder einem anderen mobilen System aufgezeigt2. Damit können, abhängig von den spezifischen Situationen, bis zu 30% der Fahrten auf dem Stadtgebiet reduziert werden.

Near Field Comunication – Basis für neue mobile Lösungen

Das Bezahlen an der Kasse3 oder das Freischalten einer Türe durch Vorweisen des Handys ist in asiatischen Ländern bereits seit längerer Zeit Realität. Die Verwendung dieser vorhandenen Technologie aus dem RFID-Umfeld scheint nun auch in der Schweiz marktreif zu werden. Die zugrunde liegende Technik (NFC) ist ein Übertragungsstandard nach internationalem Standard zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Strecken (bis 4 cm)4.

Schlussfolgerungen

Die Bereitschaft der Bevölkerung und der Unternehmen, sich auf die neuen Technologien einzulassen, ist mehrheitlich vorhanden. Die Umsetzung benötigt in der Schweiz oft länger als in anderen Ländern. In diesem Fall besteht aber die Chance, dass die öffentliche Hand (Verwaltungen auf allen Stufen) den Nutzen dieser neuen Möglichkeiten sieht. Auch im privaten Bereich erleben wir eine rasche Nutzung dieser neuen Dienste. Die einzelnen Marktteilnehmer sollten sich deshalb beim Kauf von Endgeräten genau überlegen, ob sie auf die neuen Technologien verzichten können oder wollen, oder ob diese nicht eine etwas grössere Investition wert sind (wie z.B. Near Field Communication, GPS, Bewegungsmelder).

 

1. RFID-Lösung ermöglicht bargeldloses Parken - System VIATAG des Fraunhofer-Instituts

2. Lösungen im IBM Automotive Industry Solution Center Ehningen

3. Handy als Kreditkarte - Artikel NZZ

4. Near Field Communication