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Im Fokus: Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

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Die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen ist seit dem 1. Januar 2016 in Kraft. 17 Ziele bilden darin die Grundlage eines neuen, weltweit gültigen Gesellschaftsvertrags, der die Entwicklung der Länder im Norden und Süden prägen wird. In diesem Rahmen agiert das Center for Development and Cooperation CDC der Berner Fachhochschule BFH an der entscheidenden Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis.

Die Schweiz in der Pflicht
Die Agenda 2030 basiert auf der Erkenntnis, dass in der globalisierten Welt nachhaltiges Wirtschaften und die damit verbundene langfristige Sicherung unserer Lebensgrundlagen nicht durch einzelne Staaten allein erreicht werden kann, sondern nur gemeinsam. Die 17 «Sustainable Development Goals» (SDG) der Agenda 2030 gelten für alle Staaten und bedeuten, dass diese einerseits Verpflichtungen auf aussen- und entwicklungspolitischer Ebene erfüllen und andererseits Verantwortung im Inland übernehmen. So stellt zum Beispiel Ziel 12 – es beinhaltet einen nachhaltigen Konsum sowie eine nachhaltige Produktion – die Schweizerinnen und Schweizer auch im eigenen Land vor grosse Herausforderungen.
Für die Schweiz leisten die Hochschulen einen wichtigen Beitrag in der Umsetzung der Agenda 2030. Denn hier werden Wege aufgezeigt, wie Fragestellungen zur Nachhaltigkeit auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene beantworten werden können. Konkret heisst dies zum Beispiel, Ressourcenverbrauch technisch zu optimieren, Nachhaltigkeit als Qualitätsstandard zu etablieren oder den Wissenstransfer an Studierende und Partner im In- und Ausland zu fördern.

Zwischen Wissenschaft und Praxis
Das Center for Development and Cooperation CDC der BFH ist spezialisiert auf die Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern in den beiden Kernbereichen Holz und Bau. Gemeinsam mit unseren Partnern verfolgt das CDC den Ansatz des Capacity Development, der Menschen befähigt, relevante Fragestellungen selbst zu definieren und Lösungen zu erarbeiten, die kontextgerecht angewendet werden können. Dabei unterstützen wir die Umsetzung durch Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten an der BFH und lassen diese mittels Wissens- und Technologietransfer sowie beruflicher Aus- und Weiterbildung in die Holz- und Bauwirtschaft einfliessen.

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Die 17 «Sustainable Development Goals» der Agenda 2030

Das CDC agiert somit an der entscheidenden Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis. Als Teil der BFH eröffnet sich die einzigartige Möglichkeit, das Capacity Development in Partnerländern im Osten und Süden aktiv zu begleiten und die Umsetzung vor Ort zu gewährleisten. Damit leisten wir einen konkreten Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft in unseren Partnerländern. Unsere Kernbereiche sind von globaler Relevanz und spiegeln sich in diversen Zielen und Unterzielen der Agenda 2030 wider. Es werden etwa aus unbekannten Tropenholzarten Brücken gebaut oder Anwendungsmöglichkeiten für neue Werkstoffe aus nachwachsenden, lokalen Rohstoffen gesucht. Oder wir beraten Institutionen beim Aufbau von Prüflaboren, bei der Einführung marktorientierter Ausbildungsgänge und fördern den fachlichen und interkulturellen Austausch der BFH-Studierenden und -Mitarbeitenden mit unseren Partnerländern. Die enge Zusammenarbeit mit Wirtschaft und Gesellschaft steht immer im Vordergrund, damit vorhandenes und neu erarbeitetes Wissen schnell eine praktische Anwendung findet.

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Das CDC der Berner Fachhochschule ist in Partnerländern im Osten und im Süden aktiv: Bosnien-Herzegowina (Oben) und Ghana (Mitte und unten)

Nachhaltige Wirkung vor Ort
In Bosnien-Herzegowina haben sich die Möbel- und die Holz verarbeitende Industrie nach dem Balkankonflikt rasch wieder entwickelt. Allerdings ist die Konkurrenz gross, und neue Produkte sowie sich verändernde Marktanforderungen verlangen von den Firmen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Dabei zeigen sich leider die Versäumnisse des derzeitigen bosnischen Bildungssystems, denn in den KMU der Holzwirtschaft offenbart sich ein grosser Kompetenzmangel unter den mittleren Kadern. Fachleute, die Managementkompetenzen haben und diese mit technischem Know-how kombinieren können, sind rar. In diesem Zusammenhang hat das CDC einen Weiterbildungsstudiengang (Certificate of Advanced Studies, CAS) entwickelt. Er wird durch die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA finanziert und fokussiert auf «Leadership and Skills Development» für mittlere Kader in bosnischen KMU. Die Kurse sind auf die Bedürfnisse der Branche zugeschnitten und praxisorientiert. Zusätzlich werden ausgewählte Kursteilnehmer weiter ausgebildet, mit dem Ziel, den Studiengang in Zukunft selbst anzubieten zu können. Im Sinne der nachhaltigen Entwicklung ist dieses CAS Teil einer Vielzahl von Aktivitäten, die das bosnische Bildungssystem auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarkts ausrichten.
Auch in Ghana wird der Capacity-Development-Ansatz angewandt. Das CDC unterstützt eine Technikerschule mit knapp 1000 Studierenden bei der Entwicklung von Ausbildungsangeboten und Infrastruktur, bei der Schulung der Lehrkräfte und beim Aufbau der Dienstleistungsangebote zur Förderung der finanziellen Selbstständigkeit.

Dabei wird der Erhöhung der Projektmanagement- und Führungskompetenz vor Ort eine tragende Rolle zugeschrieben. Durch die Qualitätssteigerung punkto Ausbildung und Infrastruktur kann die Schule heute mit der technologischen Entwicklung und den Anforderungen des Arbeitsmarkts Schritt halten. In einer nächsten Phase werden die gewonnenen Erkenntnisse auf weitere Technikerschulen im Land übertragen, um auf Systemebene eine Wirkung zu erzielen und nebst der Förderung von Fachkräften die Zusammenarbeit der Bildungsinstitutionen mit der ghanaischen Privatwirtschaft zu intensivieren.

Positive Rückkopplung für die Schweiz
Die Wirkung der Zusammenarbeit mit Schwellen- und Entwicklungsländern beschränkt sich nicht auf die Partnerländer. Generell profitiert auch die Schweiz von sich entwickelnden, stabileren Ländern wie China, Ghana oder Bosnien-Herzegowina. Diese werden nicht nur zu Absatzmärkten, sondern zu wichtigen Partnern, um globale Herausforderungen wie Ressourcennutzung, Energieversorgung, Migration etc. grenzüberschreitend zu meistern. Auch für die Mitarbeitenden der BFH sind Erfahrungen in diesem Kontext bereichernd. Wer in der Lage ist, in einem tropischen Klima mit schlechter Infrastruktur und fehlenden Ersatzteilen oder Unterrichtsmaterialien zu arbeiten, ist auch flexibel genug, neue Herausforderungen im «konventionellen Arbeitsalltag» anzunehmen.