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Cocoboard: Biobasierte Platte auf Basis von Kokosfasern

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Erschwingliches Baumaterial ist auf den Philippinen schwer erhältlich. Ein günstiges, faserartiges Material ist aber in grosser Anzahl vorhanden: die Faser der Kokosnuss. Kann diese Faser für die Herstellung von Platten verwendet werden? In Zusammenarbeit mit der Fondation Hilti und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) hat eine Gruppe aus Holzbauingenieuren, Agronomen und Ökonomen eine Technologie zur Produktion von Platten mit hoher und niedriger Dichte entwickelt. Die ersten Industrietests sind im Gang.

Die Kokosfaser, ein wenig genutztes Material
Die Philippinen sind mit einem enormen Mangel an Wohneinheiten konfrontiert, insbesondere im Segment der kostengünstigen Wohnungen. Dieser Mangel hängt stark mit den hohen Preisen für lokale Baumaterialen zusammen. Die zahlreichen Unwetter, die im Land wüten, verschlimmern die Situation zusätzlich.
Die Kokosnuss-Industrie ist im Aufschwung. Die jährliche Produktionsmenge wird auf fünf Milliarden geschätzt. Aber nur das Innere der Nuss wird industriell verwertet, die Schale wird verbrannt oder liegengelassen. Diese Schale ist ein sehr interessantes faseriges Material, reich an Lignin und einfach zu bearbeiten. Diese Erkenntnis hat eine Gruppe von Forschenden der BFH dazu gebracht, die Fasern für die Produktion von Bauplatten zu verwenden.

Sich mit internationaler Zusammenarbeit der Herausforderung stellen
Dank der finanziellen Unterstützung eines gemeinsamen Programms von SNF und DEZA (www.r4d.ch), konnte ein interdisziplinäres Forschungsprojekt lanciert werden. Der Schwerpunkt des Programms ist ein globaler Ansatz. Deshalb wurde ein Konsortium aus Partnern mit den entsprechenden technologischen und ökonomischen Kompetenzen zusammengestellt. Dieses Konsortium umfasst folgende Partner: Das Institut für Werkstoffe und Holztechnologie der BFH, die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften der BFH (HAFL), die Haute Ecole de Gestion de Neuchâtel HES-SO, die Bicol University, die Visayas State University, das Forest Product Research and Development Institute sowie die NGO Fondation Hilti.
Hauptziel der Zusammenarbeit ist die lokale Produktion von Platten mit geringer Dichte (Isolierplatten) und Platten mit hoher Dichte (Aussteiffungsplatten). Die entwickelte Technologie basiert auf der Verwendung der erwähnten Fasern der Schale der Kokosnuss. Die Fasern wurden dazu mit Tannin, einem natürlichen Klebstoff, vermischt. Interessant an dieser Technologie ist, dass so hergestellte Platten frei von synthetischen Kunststoffen und Formaldehyd-Emissionen sind.

Platten aus Kokosfaser

Erste ermutigende Ergebnisse
Das Projekt hatte mit der Produktion von Platten im Labor begonnen. Diese erste Phase hatte zum Ziel, die Fasern vorzubereiten und auszuwählen, die Verklebung zu optimieren sowie die Parameter der Presse zu definieren. Es konnten Platten hergestellt werden, deren Eigenschaften die geltenden Standards auf den Philippinen erfüllen. Auf Basis dieser Resultate wurden bei unseren philippinischen Partnern ähnliche Tests durchgeführt. Die Partner HAFL und Visayas University haben ihre Bemühungen auf Ernte und Transport der Kokosnüsse konzentriert. Mehr als 900 Bauern wurden hinsichtlich der Dimension ihrer Bewirtschaftung und dem damit zu erzielenden Einkommen befragt.

Die nächsten Schritte
Gleichzeitig zu den Laborversuchen ist der Bau einer kleinen Pilotfabrik auf den Philippinen in Arbeit. Diese Fabrik wird Demonstrationszwecken dienen und es der Fondation Hilti erlauben, Platten für die Produktion von ersten Pilot-Wohneinheiten zu liefern. Zudem ist ein Workshop in Vorbereitung, der alle politischen Autoritäten und die lokalen wirtschaftlichen Partner versammelt. Dieser Workshop bezweckt, die Resultate weiterzugeben und das neue Material der lokalen Bevölkerung zu präsentieren.