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So heterogen wie der Kanton Bern - eine Chance!

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Neue Materialien, neue Anwendungen, andere Analytik – das Tempo, mit dem derzeit die Neuigkeiten aus den Materialforschungslaboratorien strömen, ist schier unglaublich. Das ist gut so, zeigt sich daran doch, wie wissenshungrig, lösungsorientiert und innovativ unsere Forschenden sind. An den Hochschulen ebenso wie in der Industrie.

Diversität und Heterogenität im und aus dem Labor - die Material- und Werkstoffforschung ist äusserst vielfältig.

Die vorliegende Ausgabe des spirit biel/bienne zeigt exemplarisch, warum Rasterelektronenmikroskop, Laserphotonik, holzbasierte Werkstoffe oder der Verbund aus Glas und Fasern zu Recht die Welt revolutioniert haben. Oder warum Holz zu einem der Lieblingsmaterialien der Schweizerinnen und Schweizer geworden ist. Für einen ausgebildeten Chemiker und Laserphysiker wie mich ist das eine helle Freude (und ein eindeutiges Zeichen, wie lange der eigene Abgang aus der Forschung schon her ist …).

Die Themenbreite, die vorgestellte Vielfalt der Analytik und die schier unergründliche Heterogenität der Forschungsgruppen und ihrer Ansätze ermuntern uns zudem, stolz und bescheiden zugleich zu sein. Stolz auf das, was an der Berner Fachhochschule BFH und im Kanton Bern entsteht – bescheiden im Wunsch, dies alles zu überblicken oder im Kern wirklich zu verstehen.

Wen Diversität und Heterogenität zu bremsen vermögen, der steht sehr rasch still oder wirkt zumindest überfordert. Rasch wird dann der Ruf nach «Reduktion der Komplexität» laut – was, wie wir seit Ross Ashby* und Stafford Beer* wissen, kaum zum Ziel führt. Oder die Vielfalt wird so lange beklagt, bis sich Forschungspartner mangels Zuhörerinnen oder Zuhörern anderen Möglichkeiten zuwenden – was einer Bankrotterklärung gleichkommen dürfte.

Wen Diversität und Heterogenität hingegen beflügeln, dem eröffnen sich neue Horizonte und schier unerschöpfliche Möglichkeiten. Die Politik ist da keine Ausnahme. Warum sollte man die Heterogenität des Kantons Bern beklagen? Warum die Städte Bern, Biel und Thun gegen die ländlich(er)en Regionen ausspielen wollen? Wer im internationalen Kontext kennt schon den Unterschied zwischen Trubschachen und Tramelan?

Ja, der Kanton Bern besteht wohl mehr als alle anderen Landesteile aus fünf (oder sechs?) mehr oder weniger unterschiedlichen Kantonsteilen. Die oft zitierte Zweisprachigkeit ist dabei noch das geringste der Unterscheidungsmerkmale. Er besteht aber vor allem aus einer Vielfalt von spannenden Themen, exzellenten Unternehmen, einem der atemberaubendsten Naturschauspiele der Welt und aus lebensfrohen Menschen.

spirit biel/bienne zeigt auf, dass in genau dieser Heterogenität nebst der damit verbundenen Herausforderung insbesondere auch Chancen liegen. Chancen für die Zukunft, Chancen zur Weiterentwicklung, Chancen zur Zusammenarbeit. Wer im Kanton Bern würde diese Chancen nicht nutzen wollen?

* Begründer der Management-Kybernetik