Erfolgsfaktoren der Teamarbeit

25.02.2021
Februar 2021
  • Focus

Gute Teamarbeit kann von jede*r einzelnen mitgestaltet werden und ist eine lohnende Investition in die Zukunft. Oft werden Teams eher als kleinster gemeinsamer Nenner denn als grosse Lösung erlebt. Dies hält jenseits der offiziellen Lobreden viele davon ab, in Teams und Teamarbeit zu investieren – ein grosser Fehler.

Dr. Ina Goller, Professorin für Innovationsmanagement, Studiengangsleiterin EMBA Innovation, BFH

Corona hat vieles in und an unserem Arbeitsleben verändert. Eine Anforderung aber ist gleich geblieben – es braucht gut funktionierende Teams. Organisationen haben nach wie vor zwei grundlegende Probleme zu lösen: die Koordinierung und Abwicklung von teilweise parallel laufenden Aufgaben innerhalb von Teams und zwischen Schnittstellen sowie die Reduktion von Komplexität, z. B. die Anforderung, Entscheidungen schnell und gut zu treffen.

Beide Probleme können mit funktionierenden Teams wesentlich stabiler und nachhaltiger gelöst werden. Einzelpersonen sind mit ihrer Unsicherheit und dem Konfliktpotenzial, das den notwendigen Abstimmungsprozessen innewohnt, oft überfordert.

Teamarbeit wird häufig mit einem ausgeprägten Wir-Gefühl, der sogenannten Kohäsion, gleichgesetzt. Und tatsächlich handelt es sich hier um eines der Kennzeichen eines effektiven Teams. Leider hält sich der Mythos hartnäckig, dass eine rein persönliche Verbundenheit (wie sie mit dem berühmten Feierabendbier und Team-Events erzeugt werden kann) ausreicht, ein schlagkräftiges Team aufzubauen. So entstehen oftmals Teams, deren Mitglieder sich privat sehr gut verstehen, arbeitstechnisch jedoch nicht wirklich vorankommen.

Was aber sind die matchentscheidenden Faktoren für erfolgreiche Teamarbeit?

Die gemeinsame Verantwortung, die dazu gehörenden Aufgaben und die Ausrichtung auf gemeinsame Ziele bilden den äusseren Rahmen eines guten Teams. Das Team weiss, wofür es verantwortlich ist, was seine Hauptaufgaben sind und auf welche Ziele es hinarbeitet. Wenn dies nicht klar ist – mag man sich noch so gut verstehen –, ist und bleibt die Gruppe ein Kaffeekränzchen.

Dieser äussere Rahmen verlangt nach Kompetenzen, die ein Team als Ganzes besitzen muss, um erfolgreich zu sein. Es macht einen Unterschied, ob ich im Handball Tore schiesse, über Jahre hinweg qualitativ hochwertige Lampen montiere, neue Business-Modelle entwickle oder ob ich gemeinsam mit einem Führungsteam für die Ergebnisse und die Weiterentwicklung eines Unternehmens verantwortlich bin. Im Idealfall sind die hierfür notwendigen Kompetenzen in einem Team nicht nur einmal vorhanden, so dass Vertretungen möglich sind und gegenseitiges, fachliches Verständnis aufgebaut werden kann. Die einzelnen Teammitglieder müssen aber auch jeweils über individuelle fachliche Kompetenzen verfügen, damit sie persönlich Verantwortung übernehmen und ihren einzigartigen Beitrag zur Zielerreichung liefern können. Etwas provokant könnte man sagen, dass gute Zusammenarbeit und gegenseitige Wertschätzung nur dann zum Ziel führen, wenn die Teammitglieder fachlich kompetent sind.

Fachwissen alleine reicht nicht

Und dennoch: Ob ein Team erfolgreich ist oder nicht, wird letztlich durch die Qualität der Zusammenarbeit entschieden. Die Zusammenhänge zwischen Wissen und Zusammenarbeit im Team kann man folgendermassen beschreiben: Fachliche Kompetenzen lassen sich nur nutzen, wenn man sich gegenseitig schätzt, um Hilfe bittet und gemeinsam lernt. Ansonsten besitzen zwar die einzelnen Teammitglieder fachliche Expertise, sind aber nicht bereit, diese mit dem Team bzw. den anderen Teammitgliedern zu teilen. Fachliche Expertise kann also nur dank und mit guter Zusammenarbeit genutzt werden.

Der Schlüssel zu guter Zusammenarbeit: Psychologische Sicherheit

Die Schlagwörter für gute Zusammenarbeit sind hinlänglich bekannt: Vertrauen, offene Kommunikation usw. Welche Kompetenzen, Verhaltensweisen und Routinen bzw. Methoden benötigt es aber genau, um gut zusammenarbeiten zu können?

Psychologische Sicherheit, ein von Amy Edmondson in Harvard entwickeltes Konzept, hilft hier weiter. Es beschreibt, innerhalb eines gesamten Teams, die persönlichen Überzeugungen der einzelnen Mitglieder bezüglich der Bereitschaft zur Hilfestellung, des Umgang mit schwierigen Themen sowie der Möglichkeit, sich einzubringen. Zusammenfassend gesagt, geht es darum, sich im Team sicher und akzeptiert zu fühlen.

Die wichtigsten Kennzeichen Psychologischer Sicherheit sind die folgenden Verhaltensweisen:

  • Jede*r traut sich, die eigene Meinung zu vertreten.
  • Jede*r kann sich aktiv einbringen, das heisst, dass z. B. in Teammeetings jede*r mitredet.
  • Jede*r im Team kann Fehler ansprechen und zugeben bzw. es fällt einfach, schwierige Themen anzusprechen.
  • Jede*r im Team weiss, dass er/sie um Hilfe bitten kann und diese auch bekommt.

Genau diese Sicherheit ermöglicht es, relativ einfach schwierige Themen zu adressieren und auch eigene Fehler zuzugeben. Wenn Teammitglieder nicht mehr jeden Tag um Anerkennung kämpfen müssen, können sie sich den Sachthemen und -problemen widmen. Psychologisch sichere Teams lernen schneller und vermeiden unnötige Fehler, da schon von Anfang an Themen divers diskutiert und Risiken erkannt werden können.

Letztlich gibt es also in einem erfolgreichen Team ein Zusammenspiel von drei Kräften: Rahmenbedingungen wie Zielausrichtung und Verantwortungsbereich, fachliche Kompetenzen und Art und Weise der Zusammenarbeit. Nur wenn diese Gestaltungsfaktoren aufeinander abgestimmt sind und im Team umgesetzt werden, kann ein Team erfolgreich sein. Ein Feierabendbier schadet also nicht, aber es nützt auch nur, wenn das Team bei der Erfüllung seiner Aufgaben tatsächlich miteinander arbeitet.

Literatur

  • Goller, I. & Laufer, T. (2018). Psychologische Sicherheit in Unternehmen. Springer Gabler.
  • Edmondson, A. C. (2020). Die angstfreie Organisation: Wie Sie psychologische Sicherheit am Arbeitsplatz für mehr Entwicklung, Lernen und Innovation schaffen. Vahlen.