Mit der «Corona Science»-App gemeinsam das Virus bekämpfen

4. Juni 2020
Juni 2020

Mit der «Corona Science»-App können Bürgerinnen und Bürger mithelfen, die Pandemie zu bekämpfen, indem sie Daten sammeln und anonym spenden. Wissenschaft und Politik erhalten so die benötigten Informationen, um den Weg zurück in die Normalität besser zu planen.

Serge Bignens, Professor für Medizininformatik, Leiter Institut für Medizininformatik I4MI, BFH
In einer Rekordzeit von nur dreieinhalb Wochen hat ein interdisziplinäres Team aus drei Departementen (TI, S, G) der Berner Fachhochschule zusammen mit der MIDATA Genossenschaft die «Corona Science»-App entwickelt. Die bereits verfügbare App wird von den Kantonen Bern und Neuenburg, der Gesundheitsförderung Schweiz, eHealth Suisse, opendata.ch und weiteren Partnern unterstützt. Anders als bei Contact-Tracing-Apps ist das Ziel von «Corona Science», dass die breite Bevölkerung dringend benötigte Daten zu COVID-19 sowie zu ihrer Lebenssituation im Lockdown sammelt.

Hilfe für die Planung von Exit-Strategien

Die von den Bürgerinnen und Bürgern eingegebenen Daten werden nicht vom «Corona Science»-Team selbst analysiert, sondern anonymisiert und aggregiert allen Interessierten – gemäss dem Open-Data-Prinzip – zur Verfügung gestellt. So können sie von Epidemiologinnen, Forschenden oder Versorgungsplanern für den Kampf gegen die Coronaviruspandemie genutzt werden. «Mit den anonymisierten Daten kann der Pandemieverlauf präziser verfolgt werden – in einer Situation, wo der Kontakt der Bevölkerung zum Gesundheitswesen eingeschränkt ist», sagt Serge Bignens, Leiter des Instituts für Medizininformatik I4MI an der BFH. So können Analysen der «Corona Science»-Daten mehr Wissen über den Krankheitsverlauf bringen, lokale Ausbrüche identifizieren, die psychische Belastung der Bevölkerung während und nach dem Lockdown aufzeigen und helfen, Exit-Strategien zu planen.

Fragen zu Symptomen und Befindlichkeit

Die «Corona Science»-App befragt die Nutzerinnen und Nutzer regelmässig nach typischen Symptomen einer COVID-19-Erkrankung, wie beispielsweise Husten oder Geruchsverlust. Nebst Daten zum Coronavirus erhebt die App weitere Informationen zur Befindlichkeit und zur zusätzlichen Belastung aufgrund des Lockdowns. Etwa werden Fragen zu Homeoffice, Kurzarbeit oder Kinderbetreuung gestellt sowie weitere Fragen bezogen auf die Massnahmen gegen die Pandemie. «Es geht nicht nur um Symptome. Zusammen mit Befindlichkeitsdaten kann man als Gesellschaft die Situation während des Lockdowns besser verstehen und Exit-Strategien planen», erklärt Bignens.

Volle Kontrolle über die eigenen Daten

Gespeichert werden die Daten in persönlichen Konten auf der sicheren und datenschutzkonformen MIDATA-Plattform. Sie gehören somit den Bürgerinnen und Bürgern. «App-Nutzerinnen und -Nutzer haben jederzeit die volle Kontrolle über ihre Daten», erklärt Dominik Steiger, Geschäftsstellenleiter der MIDATA Genossenschaft. «So kann die Einwilligung zur Teilung der anonymisierten Daten mit der Open Data Community jederzeit beendet werden», sagt er. Das «Corona Science»-Projekt ist auf die aktive Teilnahme der Bevölkerung angewiesen. Serge Bignens hält fest: «In dieser Krisenzeit kann jede und jeder einen Beitrag leisten. Die Gesundheitsfachfrau, der Kinderbetreuer sowie die gesunde oder kranke Person, die ihre anonymisierten Daten für die Bekämpfung und das bessere Verständnis von COVID-19 spendet.»